G02 Vermögensverteilung

Definition

Der Indikator umfasst ein ganzes Bündel von Kennziffern. Neben dem Gini-Koeffizienten werden die Vermögensanteile für Dezile sowie die obere und die untere Hälfte der Verteilung ausgewiesen. Die wichtigste Datenquelle ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes. Die hier erfassten Vermögen umfassen im engeren Sinne das verzinsliche Geldvermögen (Spar- und Bauspargutachten, Wertpapiere, Termingeld und angesammeltes Kapital bei Lebensversicherungen) und die Verkehrswerte von Immobilien abzüglich Hypotheken und Konsumschulden. Im Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) werden zusätzlich auch Betriebsvermögen sowie Sachvermögen in Form wertvoller Sammlungen wie Gold, Schmuck, Münzen oder Kunstgegenstände einbezogen.

Hinweise zur Interpretation

Vermögen kann für die privaten Haushalte eine wichtige Ressource darstellen, um Lebensrisiken begegnen zu können. Dies bedeutet jedoch nicht im Umkehrschluss, dass der Mangel an Vermögen mit der Gefahr sozialer Ausgrenzung gleichzusetzen ist. Ob Vermögen vorhanden ist oder nicht, liegt am Sparverhalten, den Wertsteigerungen sowie Erbschaften und Schenkungen. Das Nettovermögen kann auch dadurch steigen, dass Schuldner ihre Verbindlichkeiten tilgen oder sinken, wenn mehr Konsumentenkredite aufgenommen werden.

Analysen zur Vermögensverteilung stehen vor einer Reihe methodischer Herausforderungen. In der Regel beschränken sie sich auf die unmittelbaren materiellen Vermögenswerte. Allerdings weisen die unterschiedlichen Datenquellen die materiellen Vermögenskomponenten nicht komplett aus, sondern liefern eine jeweils andere Auswahl. Darüber hinaus gehende Vermögensarten, wie etwa Anwartschaften an Alterssicherungssysteme oder das Humanvermögen lassen sich nur mithilfe weitreichender Annahmen und komplexer Modellrechnungen berücksichtigen. Die Einbindung derartiger Kalkulationen erscheint für eine transparente und weitgehend nachvollziehbare Berichterstattung allerdings ungeeignet.

Zudem ist die Aussagefähigkeit der Kennziffern ist dadurch begrenzt, dass insbesondere die reichsten Haushalte nicht erfasst werden. Zudem obliegt die Bewertung der Vermögensbestände eines Haushalts allein der jeweils befragten Person. Dies ist beispielsweise bei den Verkehrswerten von Immobilien oder den Tageskursen von Aktien mit einer erheblichen Unsicherheit verbunden. Bei der Interpretation ist außerdem zu beachten, dass das Nettovermögen auch steigen kann, wenn Schuldner ihre Verbindlichkeiten tilgen, oder sinken, wenn mehr Konsumentenkredite aufgenommen werden.

Der Gini-Koeffizient bietet die Möglichkeit, die Konzentration der Vermögen durch eine einzelne Kennzahl auszudrücken. Allerdings muss beachtet werden, dass dies zu Fehlinterpretationen führen kann. Da der Gini-Koeffizient nicht für negative Werte definiert ist, werden bei seiner Berechnung negative Nettovermögen (also Haushalte, bei denen die Schulden höher sind als die positiven Vermögensanteile) auf Null gesetzt.

In die Grafiken fließen nicht alle Informationen des Indikators ein.

Quellen: EVS und SOEP

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